In den USA bewerben: Minenfeld und heißes Eisen

Bewerbungen sind aus der Sicht des Beworbenen oft ein lustiges Betätigungsfeld. Man kann sich totlachen, selbst wenn die einzelne verunglückte Bewerbung eher ein Trauerspiel ist. Massenhaft Bewerbungen sichten lässt dann schnell an der Welt verzweifeln und Rufe nach der guten alten Zeit erschallen, als Bewerber noch buchstabieren, konjugieren und Zeichen setzen konnten. Jedenfalls konnte es man selbst, meint man sich zu erinnern.

Dummerweise sind Bewerbungen auch ein heißes Eisen. Wer einmal einer Bewerberin mit einem vielversprechenden Lebenslauf höflich, wenn auch knapp, geraten hat, das Begleitschreiben zu überarbeiten, damit man es guten Gewissens intern weiterempfehlen kann, hat bestimmt schon rüde Resonanz erlebt.

Einen konkreten Satz- oder Darstellungshaufen in einer Veröffentlichung anonymisiert zu verwerten, damit der Bewerber und andere etwas lernen, ist noch riskanter. Als Beworbener möchte man gern dem Bewerber Hilfestellung leisen, wenn es zeitlich einzurichten ist – andererseits bietet man keinen Nachhilfedienst, und warum sollte man sich wegen konstruktiver Hinweise beschimpfen lassen?

Daher gleich ein Hinweis auf einen Kommentar aus Beworbenensicht, aus einem anderen Land, für eine andere Rechtskultur und in einer anderen Sprache. Der Kern der Kritik an Bewerbungen und der Hilfestellung entspricht jedoch meinen und den hier üblichen Anforderungen.

Meine sind simpel:

1) Sprachlich 1a.
2) Inhaltlicher Bezug auf den beworbenen Platz und das konkrete Angebot.
3) Formal richtig: Voranfrage darf sein; anderenfalls genau so wie im Angebot vorgeschrieben.
4) Aus der Bewerbung muss erkenbar werden, dass die Bewerberin sich gut informiert hat: Wen hat sie vor Augen? Welche Erwartungen werden an sie gestellt? Ist sie organisatorisch auf den Einsatz vorbereitet?

Mein sine qua non ist die Betreffzeile mit eindeutigen Daten. 01.10.10 ist eindeutig uneindeutig. Wer das falsch macht, hat sich nicht informiert.

Hier das versprochene Link: DonT wriTe LIK3 thiss: the Bizzle guide to CV basics

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Geschäftsgelegenheit: Die FTC-Verordnung 16 CFR 437

Die FTC-Verordnung zur Ankündigung einer Geschäftsgelegenheit in 16 CFR Part 437 ist veraltet. Die Anforderungen mit 22 verordneten Merkmalen belasten Anbieter. Gleichzeitig schützen sie den Empfänger nicht ausreichend vor Betrug.

Amerikaner sollen bei der Wahl am 2. November 2010 zwar ihre Ablehnung der Bundeseinmischung in lokale Angelegenheiten, zu denen das Vertragsrecht zählt, ausgedrückt haben. Doch der Bund tut viel für Unternehmen und Verbraucher, und ein wenig Rechtseinheitlichkeit und landesweite Rechtssicherheit schadet nicht.

Das Verbraucherschutz- und Wettbewerbsaufsichtsamt des Bundes, die Federal Trade Commission, weiß das. Sie verkündet daher am 8. November 2010 im Federal Register, Bundesanzeiger, einen Prüfungsbericht mit Empfehlungen.

Damit die Öffentlichkeit nicht von geplanten Änderungen überfahren wird, darf sie auf Papier oder elektronisch ihre Meinung zum Thema Disclosure Requirements and Prohibitions Concerning Business Opportunities kundtun. Zur Öffentlichkeit zählen in diesem Sinne auch betroffene Unternehmen und Verbraucher im Ausland.

Published in: on November 7, 2010 at 4:15 pm  Schreibe einen Kommentar  
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Wie ein Aprilscherz: Zensus

Alle zehn Jahre wird Amerika vermessen. Wer lebt in den USA, welcher Rasse oder Volksgruppe rechnet man sich zu, und wer wohnt mit wem?

Wenige Fragen stellt das Amt in dieser Volkszählung. Dafür ist das Angebot an Rassen- und Volksgruppenkästchen angeschwollen, während gleichzeitig die Option Kaukasisch durch Weiß ersetzt wurde.

Seit Wochen drängt das Bundeszensusamt, die Formulare auszufüllen und einzureichen. Das klingt wie ein Witz, weil der Zählungsstichtag nämlich der 1. April 2010 ist. Wusste wirklich jeder vor drei Wochen, wo er sich dann aufhält und wer dann im Haushalt anwesend sein wird?

Wer bis zum 30. April 2010 sein Formular nicht einreicht, erhält Besuch vom Amt. Heute beklagte das Amt eine gewisse Ausfüllmüdigkeit. Wer sich nicht zählen lässt, hat Pech. Der Wohnbezirk erhält dann weniger Geld für Wege, Schulen und vielerlei mehr.

Published in: on April 1, 2010 at 4:59 pm  Schreibe einen Kommentar  
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Neues Buch: Verhandeln mit Deutschen

Die Geschichte deutschen und amerikanischen Rechts hatte viele Gemeinsamkeiten – doch dann entwickelten sich die Rechtsordnungen auseinander. Was in Deutschland zur Vereinheitlichung der Rechtsordnung führte, löste in den USA eine enorme Differenzierung einer adaptierten einheitlichen Rechtsordnung aus.

Das war für mich wohl die interessanteste Erkenntnis bei der Vorbereitung des Kapitels über Verhandlungen im Umfeld des deutschen Wirtschaftsrechts, neben den Beobachtungen bei den Recherchen über die unterschiedlichen Verhandlungsstile:

Negotiations in Germany: The Business Law Perspective, in Wegerich (Hrsg.), Business Laws of Germany, Bd. 2, New York (Nov. 2009), ISBN-13: 9780314900050

 

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Das Kapitel in dem zweibändigen Werk behandelt Themen, die deutsche Leser weniger interessieren. Was eine Schutzbehauptung ist und wie fremd sie im internationalen Umfeld wirkt, wird die deutsche Partei bei Vertragsverhandlungen nicht überraschen.

Dasselbe gilt für die unendliche Zahl von Juristentypen. Der Ausländer sieht sich ja nicht nur mit Anwalt, Notar, Syndikus und Richter konfrontiert – Deutschland bietet so viel mehr.

Dass der ausländische Unterhändler vielleicht nur von substantial Performance und nicht von hundertprozentiger Vertragserfüllung ausgeht, was andere Verhandlungs- und Vertragsstile auslösen kann, weiß der gut vorbereitete deutsche Jurist auch.

Das Buch richtet sich an Juristen im englischsprachigen Ausland. Da das nicht einheitlich ist, spielt die Bandbreite sowohl in der riesigen materiellen Aufarbeitung des deutschen Wirtschaftsrechts wie in der Berücksichtigung zahlreicher Wirtschaftskulturen eine Rolle.

 

Meinungsfreiheit an Halloween

Halloween und Meinungsfreiheit: Der Tag erinnert an den Grundsatz, dass man erschrecken darf, die Meinungsfreiheit jedoch auch in den USA Schranken unterliegt. Gegen neue Schranken wendet sich eine Demonstration auf der sechzehnten Straße beim Scott Circle.

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Einige Blocks südlich lädt das Weiße Haus zu Tricks und Treats. 2000 Kinder lassen sich schockieren und erhalten Süßigkeiten.

Die Schranke des First Amendment kennt jeder Amerikaner schon als Kleinkind. Man darf im Theater nicht „Feuer“ rufen, wenn es nicht brennt. Weitere Schranken werden abgelehnt, auch wenn es immer wieder Rufe nach Schranken gegen unliebsame Meinungen und Darstellungen gibt.

Published in: on Oktober 31, 2009 at 5:48 pm  Schreibe einen Kommentar  
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Deutsche definieren Englisch neu

Warum bezeichnen heute so oft die englischsprachigen Nachrichten aus Deutschland Politiker als Shooting Star? So eine Welle gab es schon einmal. Meine Amis verstehen das nicht.

Bezeichnen deutsche Journalisten damit Leute am Ende ihrer Karriere, die verglühen? Das passt aber nicht zum Kontext der Berichterstattung in den Deutschen Welle- und sonstigen englischsprachigen Nachrichten über deutsche Politik. Dort geht es scheinbar um Leute, die einen meteoric Rise vorweisen.

Die hiesige Definition von Shooting Star zielt auf Sternschnuppen und Grünzeugs ab.

Nichtnachvollziehbares kennen wir ja von Handy und Bodybag. Und so viele englischsprachige Verträge deutscher Juristen, die keinen Übersetzer oder Fachmann hinzu gezogen haben, weil sie Englisch aus Film und Fernsehen kennen, strotzen von Fachbegriffen, die kein Ami versteht. Manchmal versteht sie selbst ein Anwalt, der in beiden Rechtsordnungen zuhause ist, nicht, obwohl er das rechtliche Gefüge kennt und die Bedeutung ähnlicher Klauseln erahnt.

Riesenunternehmen in Deutschland produzieren solche Machwerke häufiger als kleine Kanzleien, in denen der Chef wohl selbst entscheidet, ob nicht sorgfaltshalber ein Experte hinzu gezogen wird.

Oft sitzen in den Riesenunternehmen sogar Juristen mit LLM aus englischsprachigen Ländern. Ob ihnen die Unis verboten haben, die Grundkurse zu belegen, damit sie nicht mit einheimischen Juristen konkurrieren können, während sie jedoch in der deutschen Anstellung beweisen müssen, dass sie das fremde Vertragsrecht verstehen, obwohl sie nur Compliance, Börsen- oder Außensteuerrecht studieren durften? Genau so wirkt es.

Ist ja alles nicht so schlimm. Aber wenn der Ami den Vertrag nicht verstehen kann, dann kommt das Geschäft nicht zustande oder es gibt später enormen Ärger.

Kleiner Tipp für solche Vertragsschreiber: Der Einfachheit halber das Passiv völlig vergessen.

Alles aktiv ausdrücken. Dann wird im Englischen erkennbar, wer für was verantwortlich ist und wer was in welche Richtung liefert, leistet und zahlt. Damit lassen sich zwei Drittel aller Unverständlichkeiten beheben.

Die weiteren Tipps sind für meine Referendare und Praktikanten.  Die können englisch schreiben, wenn sie ihr Zeugnis erhalten. Wir üben das, fast wie im Kindergarten, wie Amis auch.

NACHTRAG:  Weiterführendes bei TransBlawg. MM hatte Shooting Star schon früher angesprochen. Daran erinnerte mich ich nicht, als ich mich über den Begriff im Fernsehbericht ärgerte, der mehreren anderen Erwähnungen des Modewortes in Koalitionsberichten aus Deutschland folgte.

Published in: on Oktober 24, 2009 at 1:01 am  Comments (2)  
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Haftet Internetforum für Prostitution?

Prostitution ist für alle Beteiligten in den USA ein gefährlicher Vorwurf, der Leben und Ruf ruiniert. Was in Las Vegas als Ausnahme zulässig ist, gilt im Rest des Landes als unentschuldbar.

Einem Unternehmen die Behilfe zur Prostitution anzulasten, ist fast beliebt geworden. Ein Sheriff, der sich Craigslist vorknöpfte, kam jedoch nicht weit. In einer wichtigen Entscheidung für Content-Anbieter warf ein erstinstanzliches Bundesgericht den Sheriff raus.

Craigslist gilt nach seiner Auffassung als Leitungsmittler, nicht als Presse oder Verfasser. Damit greift §230 des Communications Decency Act, der Telefon- und Internetgesellschaft von der Haftung für alles, was durch die Leistungen läuft, isoliert.

Der Hintergrund wird mit dem Fall im Bericht Craigslist Eludes Sheriff Dart, Thanks to CDA Section 230 Immunity vom E-Commerce and Tech Law Blog am 21. Oktober 2009 verknüpft.

Das Urteil wirkt zwar nur im Bundesgerichtsbezirk im Staat North Dakota, hat jedoch einen Präzedenzwert für deutsche Anbieter, die in den USA im Internet aktiv sind. Vermutlich wäre der Fall schon wegen Unzuständigkeit abgewiesen worden, wenn Craigslist nicht Prostituierte vor Ort den Lesern zur Kenntnis gebracht hätte.

Published in: on Oktober 21, 2009 at 11:40 pm  Schreibe einen Kommentar  
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Migration unter Nachbarn

Ein Trauerspiel, was Kanada den Migranten zumutet: Sie sollen die Arbeit erbringen, für die sich die Kanadier zu gut sind. Sie sollen die Preise landwirtschaftlicher Erzeugnisse erschwinglich halten. Sie sollen jung und fit sein und rund um die Uhr arbeiten können. Sie werden aus der Karibik und Mexiko angeworben.

Doch wehe, sie werden krank! Drastisch, anschaulich und einfühlsam führt der Bericht  He did the work Canadians wouldn’t in die erdrückende Lage von Gastarbeitern in Kanada ein – einschließlich des rechtlichen Umfelds. Und Kanada symbolisiert aus US-amerikanischer Sicht ein Schlaraffenland sozialer Versorgung!

Wer nach Nordamerika auswandern will, sollte neben den Träumen auch die Alpträume sehen.

Published in: on September 5, 2006 at 8:57 pm  Schreibe einen Kommentar  
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