Volunteering, Sklaverei, Praktikum

Wer lange in den USA lebt, gewöhnt sich daran, dass Politiker auf Bundes-, Staats-, Kreis- und Stadtebene Freiwillige aufrufen, um Aufgaben zu erledigen, die in Europa von Beamten oder privatem Personal erbracht werden. Man kann sich darüber aufregen, dass Steuern in Kriege oder über 50 unterschiedliche Rechtsordnungen und zwei parallele Gerichtsbarkeiten gesteckt werden, doch nützt die Aufregung rein gar nichts.

Praktika werden ebenfalls als lebenswichtig angesehen. Und zwar primär für Praktikanten, aber auch manche Ausbilder. Die Washington Post berichtete gar, dass Praktika in der US-Hauptstadt für 9000 Dollar gehandelt werden. Verständlich, denn ganz Amerika, die ganze Welt, drängt nach Washington. Dennoch erscheint das unsauber, auch wenn in manchen Berufen früher der Lehrling den Meister bezahlte.

Andererseits würde sich niemand so aufregen, wie das gestern in Deutschland der Fall war. Der Westen berichtete unter der Überschrift Lena Meyer-Landrut und die Gratis-Praktikanten von einem Aufruf für 500 Praktikanten, die eine Fernsehanstalt für eine Großveranstaltung engagieren will. Die bei einem solchem Ereignis zu sammelnde Erfahrung dürfte wertvoll sein.

Dass der Anstalt Sklaverei vorgeworfen wird, ist aus amerikanischer Perspektive nicht nachvollziehbar.

Seit Jahrzehnten bemühen wir uns, für unsere Referendare und Praktikanten die Erfahrung wertvoll zu machen. Sie nehmen erhebliche Umstände und Kosten auf sich, um in Washington die Rechtspraxis und das Recht zu erlernen. Im Gegenzug versuchen wir, viel Wissen zu vermitteln. Das verlangt einen zeitlichen Einsatz, der auf anwaltliche Stundensätze umgerechnet, leicht mehr als 9000 Dollar ausmacht.

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Published in: on Januar 20, 2011 at 2:37 am  Comments (3)  
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In den USA bewerben: Minenfeld und heißes Eisen

Bewerbungen sind aus der Sicht des Beworbenen oft ein lustiges Betätigungsfeld. Man kann sich totlachen, selbst wenn die einzelne verunglückte Bewerbung eher ein Trauerspiel ist. Massenhaft Bewerbungen sichten lässt dann schnell an der Welt verzweifeln und Rufe nach der guten alten Zeit erschallen, als Bewerber noch buchstabieren, konjugieren und Zeichen setzen konnten. Jedenfalls konnte es man selbst, meint man sich zu erinnern.

Dummerweise sind Bewerbungen auch ein heißes Eisen. Wer einmal einer Bewerberin mit einem vielversprechenden Lebenslauf höflich, wenn auch knapp, geraten hat, das Begleitschreiben zu überarbeiten, damit man es guten Gewissens intern weiterempfehlen kann, hat bestimmt schon rüde Resonanz erlebt.

Einen konkreten Satz- oder Darstellungshaufen in einer Veröffentlichung anonymisiert zu verwerten, damit der Bewerber und andere etwas lernen, ist noch riskanter. Als Beworbener möchte man gern dem Bewerber Hilfestellung leisen, wenn es zeitlich einzurichten ist – andererseits bietet man keinen Nachhilfedienst, und warum sollte man sich wegen konstruktiver Hinweise beschimpfen lassen?

Daher gleich ein Hinweis auf einen Kommentar aus Beworbenensicht, aus einem anderen Land, für eine andere Rechtskultur und in einer anderen Sprache. Der Kern der Kritik an Bewerbungen und der Hilfestellung entspricht jedoch meinen und den hier üblichen Anforderungen.

Meine sind simpel:

1) Sprachlich 1a.
2) Inhaltlicher Bezug auf den beworbenen Platz und das konkrete Angebot.
3) Formal richtig: Voranfrage darf sein; anderenfalls genau so wie im Angebot vorgeschrieben.
4) Aus der Bewerbung muss erkenbar werden, dass die Bewerberin sich gut informiert hat: Wen hat sie vor Augen? Welche Erwartungen werden an sie gestellt? Ist sie organisatorisch auf den Einsatz vorbereitet?

Mein sine qua non ist die Betreffzeile mit eindeutigen Daten. 01.10.10 ist eindeutig uneindeutig. Wer das falsch macht, hat sich nicht informiert.

Hier das versprochene Link: DonT wriTe LIK3 thiss: the Bizzle guide to CV basics