Rastlos endet die Dekade

Hotelkauf, Hausverkauf, Social Media-Lösungen, Markenanträge, Branding-Strategien, Firmengründung, Handelsvertretervertragsdisput – die letzte Woche der ersten Zwanziger-Dekade schließt ohne Ruhe und mit buntgemischten Aufgaben ab.

Nur in den Schwerpunktbereichen IT- und Botschaftsrecht, die anderen Zyklen folgen, herrscht Feiertagsfriede. Einige Kollegen sieht man gar nicht.

Fristen bestimmen die Arbeit des Anwalts in den USA am Jahresende kaum. Eine Zweijahresfrist läuft zwei Jahre, nicht zwei Jahre und den Rest des Jahres bis Sylvester. Den Druck, dem Anwälte in Deutschland ausgesetzt sind, spürt man in den USA nicht.

Die Litigators der Kanzlei sind auf Überraschungen gefasst. Doch liegt das nicht an Fristen. Am Abend vor einem Feiertag werden in den USA einfach gern Klagen zugestellt. Die Kläger rechnen damit, dass die Beklagten ein paar Tage verlieren, bevor sie ihren Anwalt zur Verteidigung einschalten können. Aus der Litigation-Abteilung hört man, dass es auch dieses Jahr nicht anders lief. Aber sie sitzen schon an der Bearbeitung der neuen Fälle und sind auch am Wochenende in der Kanzlei.

Die Wirtschaftsrechtler hingegen werden über Neujahr nicht unbedingt am Schreibtisch kleben.

Published in: on Dezember 30, 2010 at 3:37 am  Schreibe einen Kommentar  
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Kurznachrichten altbekannt – Langtexte sterben aus?

IM-Kommunikation gibt es in der Kanzlei seit Anfang 1984. Der Wang Mainframe kannte sie. Später gab es sie über AOL und GroupWise mit DOS, GEOS und Windows. GChat ist Mode, Pidgin schlägt Brücken.

IBM Selectric Ball

An alles hat sich nicht jeder gewöhnt, und manche an nichts. Früher kannten alle das Telex und wussten zumindest, was Morse bedeutet. Heute erschrecken sie sich vor Twitter, selbst wenn sie sich an die kaum längeren SMS gewöhnt haben.

Abkürzungen und Kurznachrichten sollten niemanden erschrecken. Doch wandeln sie sich mit der Zeit.

np für No Problem stellt die Anwälte ohne Kinder vor Rätsel. Gemeint ist Keine Ursache oder You are welcome.
k
für OK? Auch das will nicht jeder wahrhaben. Trotz der Effizienzsteigerung von 50%.

Umgekehrt bringen neuere Mitarbeiter trotz lebenslanger Internet- und Rechnererfahrung simple Begriffe aus der Kurznachrichtentechnik wie Telex und Telegramm durcheinander.

Bei Langformaten kennen viele selbst den Unterschied zwischen beschichtetem Faxpapier und Kohlepapier nicht, obwohl sie noch in Akten zu finden sind.

Und an der Fähigkeit, längere Werke zu verfassen, zweifeln auch immer mehr. Vielleicht haben sie als Kinder keine Postkarten beschrieben und als Teenager keine Liebesbriefe verfasst, die von Kurz- bis zu Ewiglangtexten in jedem erdenklichen Format zu finden waren.

Published in: on November 19, 2010 at 11:52 pm  Schreibe einen Kommentar  
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Virtuelle Zweigstelle standeswidrig

Das Virtual Office – ein Büro zur zeitweisen Nutzung – ist weltweit bekannt. Praktisch ist es auch für Rechtsanwälte, die eine Zweigstelle eröffnen und die Bindung an einen langfristigen Mietvertrag ablehnen, oder die zuhause arbeiten, doch sich mit Mandanten lieber in einem Mietbüro statt an ihrer Privatanschrift besprechen.

Rechtsanwälte im US-Staat New Jersey dürfen es nach einer neuen Auslegung des dortigen Standesrechts nicht als Kanzlei nutzen. Einzelstaatliches Recht gilt für die Zulassung von Anwälten in den USA, und eine einzelstaatliche Auslegung entfaltet keine bundesweite Wirkung.

Die Entscheidung vom 25. März 2010 wird als frauen-, solo- und wettbewerbsfeindlich weithin kritisiert, so auch vom Virtual Law Practice Blog.

Published in: on April 6, 2010 at 4:40 pm  Schreibe einen Kommentar  
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Das dicke Ding ist die Festplatte: Mac Mini Server

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Der Mac Mini Server soll als Fileserver das dicke Ding im Telephone Closet ablösen.

Selbst in dreifacher Dimension im Karton ist er kleiner als die alte 5MB-Festplatte, die gerade 25 Jahre alt geworden ist und aus der Zeit stammt, als man mit 32 KB RAM zum Mond fliegen konnte.

Da dachte noch kein Anwalt an ein Gigabyte, wenn auf vier 5 MB-Platten ohne weiteres die Dokumente von 25 Mitarbeitern passten. An 5 GB, 50 GB, 500 GB auch nicht. Jetzt kommt 1 Terabyte als Grundausstattung.

Dumm nur, dass der DVI-Adapter an nichts* passt, selbst nicht den Adapter vom einfachen zweijährigen Mac Mini.


*   Oh doch! Im Technomüll fand sich ein uralter 15-Zollmonitor namens Gateway FPD1500. Der reicht dicke für einen Server.  Lass die Kugel rollen.

Published in: on Dezember 5, 2009 at 7:47 pm  Schreibe einen Kommentar  
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Rechte hintanstellen

17th & L, NW, 10 Uhr: Video von 20 Motorrädern mit Beiwagen und -zig schwarzen Secret Service-Fahrzeugen aufgenommen. Soviel Staatssicherheit, dass die Wagen selbst auf den Bürgersteigen parken müssen. Polizist: No Pictures!

Staatssicherheit gegen First Amendment. In der Situation wäre eine Debatte verfehlt. Video bei YouTube einstellen? Der Verkehr ist in alle Richtungen blockiert. Der Partner, der als Geschworener ins Gericht muss, darf das Kanzleigebäude nicht verlassen.

Vor ein paar Stunden sammelten sich Diplomaten im Hotel gegenüber. Das H der Straßen um das Hotel war schon gesperrt und öffnete sich für eine Weile erst, als die Diplomaten schließlich in Bussen die drei Blocks zum Weißen Haus verfrachtet wurden.

Bush will mal wieder eine Lektion erteilen, hört man. Vorgestern, nach dem Ausrufen des Schneenotstands, hatte er schon einmal so einen Einfall. Die Journalisten waren sauer, denn sie waren bereits im Rahmen der Evakuierung auf dem Weg aus der Stadt.

Wozu der Aufwand, wenn die Nachrichten doch nur von Schnee und Eis berichten werden? Bush ist irrelevant, und die Bürgerrechte lässt er irrelevant machen. Als erste Diener des Staates treten die Herrschaften jedenfalls nicht auf.

Nachtrag: Seine Höchstpersönlichkeit befand sich gegenüber im Mayflower Hotel, daher der Trubel. Die Referendarinnen sahen ihn in eine der beiden Staatskarossen hineinhuschen. In welchen der beiden identischen Wagen? Das verraten wir nicht.

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on Februar 15, 2007 at 10:30 am  Comments (1)  
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Irrsinn mit Schwung

XP habe ich übersprungen. Bei Microsoft bin ich nicht gelandet. Linux im Arbeits-PC und Unix im Server sind für die anwaltliche Arbeit wunderbar zuverlässig, genauso wie früher GeoWorks Ensemble.

Zum Spass mal mit Apple OSX gearbeitet, und daneben zahlreiche XP-Geräte und XP-Ersatzgeräte angeschafft, denn der Rest der Kanzlei ist MS-gewohnt: Oft geht nichts, immer wieder gibt’s neuen Ärger, über Angreifer kann man sich so schön aufregen, und überhaupt: Was vom größten Anbieter kommt, muss einfach gut sein.

Solange sich jemand anders um diese Schrott-Software kümmert. Der Irrsinn geht in die nächste Runde. Mit schwungvollen Vista-Bildchen.

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on Januar 30, 2007 at 6:28 pm  Schreibe einen Kommentar  
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Ruhe im Haus

Die Völkerwanderung um Thanksgiving mag zu Schlachten bei Walmart ausarten – in die Kanzlei bringt sie Ruhe. Endlich können sich die Partner um Administrativa kümmern, einen Vortrag vorbereiten oder den versprochenen Beitrag zu einem Gesetzesentwurf verfassen.

Die Associates sind um diese Jahreszeit für jede billable Hour dankbar, weil sie ihre Sollstunden übererfüllen und einen Bonus erhalten wollen. Also sind sie in der Kanzlei. Dafür lassen sie auch die von weither angereiste Familie im Stich. Die ist ja auch stolz auf den Nachwuchs mit der wertvollen Anstellung in der Kanzlei.

Neben dem nichtjuristischen Personal erlauben sich die jungen Partner, der Kanzlei fernzubleiben. Die Partnerschaft ist eine so lange angestrebte Errungenschaft, dass sie die neue Freiheit genießen müssen.

Wer jedoch ein paar Jahre lang am Donnerstag Truthahn, am Freitag Truthahn-Leftovers, am Samstag Truthahnklößchen und am Sonntag Truthahnsuppe in dieser Freiheit erlebt habt, kehrt bald gern wieder am Freitag nach Thanksgiving zur Kanzlei zurück.

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on November 24, 2006 at 2:26 am  Schreibe einen Kommentar  
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Brückentage symbolisieren den Verfall der Moral

Die Wirtschaft der Vereinigten Staaten verkommt. Allmählich reißen Sitten ein, die man bis vor einigen Jahren voller Stolz auf die eigene Arbeitsmoral den dekadenten Franzosen und anderen Ausländern vorwerfen konnte.

Heute finden sich die Familien Amerikas zur Thanksgiving-Feier zusammen. Nicht erst seit gestern Nacht, sondern bereits seit dem Wochenende nahm der Berufsverkehr in den Städten stetig ab, während die Autobahnen, Züge und Fluzeuge immer voller wurden.

Der Verfall der amerikanischen Arbeitsmoral setzt sich bis zum kommenden Wochenende fort, denn kaum noch jemand arbeitet am Freitag – außer in Läden, Gaststätten und Reiseunternehmen.

Selbst Kanzleien bleiben in den USA geschlossen. Zumindest offiziell. Associates schuften weiter, um ihr Jahressoll zu erfüllen.

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on November 23, 2006 at 12:10 am  Schreibe einen Kommentar  
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Alter Partner

Welchen Verlust bedeutete der Tod eines Partners, der noch mit 82 ein Vorbild fuer die jüngeren Kollegen war! Er brauchte nicht zu arbeiten, denn er hatte gut verdient. So teilte er den Schatz seiner Erfahrungen mit allen, die davon profitieren wollten.

Er hatte die Prohibition und ihre Schwächen erlebt und wusste, den War on Drugs richtig einzuschaetzen, der zu Wahnsinnsbelastungen des Haushalts führte, nichts brachte und zum Entzug von Eigentum und Freiheit führte, der wiederum den extrem freiheitsbeschneidenden Terrorgesetzen den Weg bahnte. Er hatte in Paris die Nachkriegsverwaltung der Amerikaner mit aufgebaut und als Berater im Senat die von der Mafia gesteuerte Spielsucht des Landes in gesetzliche Bahnen gelenkt, die der Mafia die Kontrolle entrissen und doch den Spieltrieb der Bürger befriedigten.

Freiheit bedeutete ihn für ihn auch die Freiheit von Nationalität im Sinne eines Weltbürgertums. Als der Präsident nun das Gesetz zum Errichten eines Zauns an der mexikanischen Grenze unterschrieb, muss sich der alte Partner  im Grabe übergeben haben.

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on November 3, 2006 at 9:17 pm  Schreibe einen Kommentar  
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Montag Labor Day

Labor Day am 4. Oktober 2006. Alles, was mit dem Recht zu tun hat, ist geschlossen, auch Anwaltskanzleien. Wir sind in Amerika. Das bedeutet, dass jeder Laden doppelt so offen ist wie sonst. Die Weihnachtssaison steht noch weiter Ferne, doch beginnt sie jedes Jahr ein paar Wochen eher. Vielleicht findet sich schon etwas. Etwas Neues: Spekulatius, beispielsweise.

Published in: on September 2, 2006 at 5:20 pm  Schreibe einen Kommentar  
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