Sammelklage wegen acht Dollar

Das Konzept der Sammelklage wird oft damit erklärt, dass sich Kleinstbeträge nur unwirtschaftlich einziehen lassen. Ein Bösewicht nimmt 1.000 Opfern $5 ab – soll etwa jedes Gerichtskosten von $150 einzahlen, um ihn zu verklagen?

In Donohue v. Quick Collect, Az. 09-35183, ging es um entweder $8 oder $35. Handelte ein Inkassoanwalt rechtswidrig, als er einen Teilbetrag als Zinsen bezeichnete, der keine Verzinsung war? Muss er sich deshalb gegen eine Class Action verteidigen, die die Schuldnerin gegen ihn im Namen aller vergleichbar Betroffenen erhob?

Das Bundesberufungsgericht des neunten US-Bezirks erklärte am 14. Januar 2010 sammelklagenmindernd, dass die Verfehlung des Anwalts durch eine Falschbezeichnung der Schuld nach dem Fair Debt Collection Practices Act unwesentlich war. Die Schuldnerin wurde über ihre Schuld nicht getäuscht und zu einer Fehlentscheidung verführt.

Dennoch belegt die leicht lesbare Urteilsbegründung, dass das Inkasso eine gefährliche Falle auch für US-Anwälte und ihre Mandanten bleibt.

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Published in: on Januar 15, 2010 at 3:25 am  Schreibe einen Kommentar  
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Vorkasse, Abschreiben, Inkasso USA

FRAGE:

  • Ich habe im Internet gelesen, dass die Prozesskosten in den USA in der Regel nicht erstattet werden und teuer sind. Wenn ich also an eine US-Kundin Ware für 600 Dollar geliefert habe und sie nicht zahlt, bin ich beim Inkasso dumm dran.
  • Das heißt, ich muß auf mein Geld verzichten? Es gibt keine kostengünstige Möglichkeit, die Leute anzuschreiben oder rechtlich heranzuziehen? Etwas ungerecht ist dies schon.  

ANTWORT:

Vorkasse oder Abschreiben – so verhalten sich US-Händler.

Ihre Frustration mit der US-Rechtsordnung teilen viele – auch Amerikaner. Natürlich kann man ein außergerichtliches Forderungsschreiben an die Schuldnerin richten. 

Wenn sie keine falsche Anschrift genannt hat, erhält sie es vielleicht sogar.  Ein kleiner Teil der Schuldner reagiert auch.  Ein noch kleinerer Teil zahlt dann sogar freiwillig.  Wollen Sie dafür gutes Geld schlechtem nachwerfen?  Ich möchte nicht an Mandanten verdienen, die am Ende erkennen, dass außer Spesen nichts gewesen ist.

Ein Teil der Schuldner ist auch darauf spezialisiert, Forderungsschreiben mit Schadensersatzforderungen zu begegnen:  Mahnung in Großbuchstaben auf dem Umschlag oder Herzinfarkt am Briefkasten.  Dann macht der Handel mit US-Kunden erst recht keinen Spaß mehr.

Es gibt auch Alternativen: Inkassounternehmen, oder die Reise zum Small Claims Court, um sich dort in die Schlange zu stellen und den Anspruch selbst vorzutragen.

Ihrem Fazit im letzten Satz stimme ich zu.

Published in: on Oktober 7, 2009 at 2:33 pm  Schreibe einen Kommentar  
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