Nach Herzenslust fotografieren: Fotoverbote USA

Fotografieren ist in den USA meist auch erlaubt, wenn es untersagt wird. Gültige Ausnahmen gelten für Militär- und Kernkraftanlagen. Auch meine Referendare sind schon mehr als eine Meile vom Pentagon entfernt angeherrscht worden, als sie nach dem 11. September 2001 das Gebäude aufnehmen wollten.

Sicherheitskontrolleure an Flughäfen, Polizisten und Secret Service-Beamten lassen sich nicht gern fotografieren, doch verbieten dürfen sie es nicht. Selbst Verbotsschilder an Flughäfen sind oft Humbug.

Andererseits empfiehlt es sich meist, unnötigen Ärger zu vermeiden. Ein Polizist oder Flughafenkontrolleur könnte vor Gericht behaupten, der Fotograf habe seine Arbeit gestört – eine Straftat. Selbst wenn man gewinnt, bringen der Verteidigungsaufwand und die in Untersuchungshaft verlorene Zeit den Fotografen um sein Erfolgsgefühl.*

Die Washington Post hat eine lesenswerte Übersicht über amerikanische Fotoverbote für Touristen zusammengestellt.

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* Anderen vergeht dafür umso schlimmer das Gefühl der großen Freiheit, die viele in den USA vermuten, wenn sie Bomben- oder Terrorwitze machen. Selbst sprachlich falsch rübergebrachte Ausdrücke haben schon so manchen Geschäftsmann im amerikanischen Großraumgefängnis schmachten lassen. Wenn sie gute Geschäfte machen, ist der Arbeitgeber vielleicht bereit, sofort $15- oder 25000 Anzahlung für den Verteidiger vorzulegen. Wer Urlaub macht, hat nicht unbedingt dasselbe Glück, wie zahlreiche Erfahrungen von Konsulaten und Anwälten belegen.

Published in: on Juni 16, 2011 at 12:48 am  Schreibe einen Kommentar  
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The Shit Will hit the Fan

Stellen Sie sich vor, ein amerikanischer Unternehmer benutzt in einer hitzigen Verhandlung die Redewendung „The shit is going to hit the fan“ – auf Deutsch. Klingt komisch, nicht?

In der umgekehrten Richtung klingt manche deutsche Redewendung nicht nur komisch, sondern kann Sie auch ins amerikanische Gefängnis bringen.

Wer möchte schon wegen eines Idioms, das in einer anderen Sprache etwas Riskantes bedeutet, eine Nacht im Unterhemd unter 40 Fremden verbringen – Fremden, die die simple Redewendung gar als Terrordrohung auffassen und Ihnen den Flug nach Guantanamo ankündigen?

Und doch geschieht es immer wieder. Wenn der Anwalt Sie nicht in die Vertragsverhandlungen begleitete und rasch das Missverständnis aufklärte, kommt später die Polizei im Hotel vorbei und nimmt Sie erst einmal mit – Redefreiheit hin oder her, – denn bei Drohungen ist man nicht zimperlich. Und heute fallen Drohungen leicht unter die Terrorgesetze.

Einen Ausländer aus der Untersuchungshaft zu befreien, ist bei Bedrohungsanklagen – drei Zuhörer = drei Vergehen, nix Tateinheit – oft schwieriger als bei sonstigen Straftaten. Der Vertragsjurist trifft dann auf einen schwer geschockten Mandanten, im roten Sicherheitsanzug, an Händen und Füßen angekettet, hungrig und durstig, umringt von den eilig eingeschalteten Strafverteidigern, Gerichtswächtern und Polizisten.

Er kann vielleicht, wenn das Gericht es zulässt, schon bei der ersten Haftprüfung mit Belegen aus der Vertragssprache, Belegen von Redewendungen in zwei Sprachen und anderen Nachweisen die Ungefährlichkeit der entglittenen Idiomatik erläutern. Im Zusammenwirken mit den Strafrechtlern gelingt vielleicht die Freilassung.

keeping fingers crossed

Doch dann folgen Reisen zur Teilnahme an weiteren Verhandlungsterminen. Der Strafbefehl ist unbekannt – wer am Termin nicht teilnimmt, wird als flüchtig ausgeschrieben und kann Reisen in die USA vergessen. Ein langer und teurer Weg zur Rehabilitierung!

Öfter hört man hingegen, das dieser Weg nicht einmal nach Tagen gelingt. Der Unternehmer erklärt sich irgendwann schuldig, wird nach Wochen abgeschoben und darf nie mehr in die USA reisen. Und all das nur, weil das Schulenglisch samt Erfahrungen aus Urlaub, Film und Fernsehen nicht für alle sprachlichen Klippen im Land der großen Freiheit wappnet.

Auch europäische Freunde makabrer oder gewagter amerikanischer Musiktexte haben schon so manche Nacht, wenn nicht gar Wochen oder Monate, in den Gefängnissen der USA verbracht. Das Sprachschicksal trifft also nicht nur Unternehmer.

 

Published in: on Mai 27, 2010 at 7:00 pm  Schreibe einen Kommentar  
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