Mit 14 im KZ. Wahnsinn nach der Befreiung

Mit vierzehn sollte sie bei Facebook, nicht im KZ leben. Facebook gab es nicht, jüdisch war die Familie, also blieb das KZ. Da lernte sie deutsch und deutsche Ordnung. Mit tätowierter Nummer auf dem Unterarm.

Sie lacht, wenn sie von der grausamen Zeit berichtet. Sie hat sie überlebt. Die meisten anderen nicht. Was folgte, kommt ihr schlimmer vor. Denn die Zeit danach sollte ja für Rettung vom Bösen, für Umschwung zum Guten stehen.

Sie kann es nicht fassen. Die Deutschen bezahlten für Wiedergutmachung. Auch für sie, ist sie überzeugt. Bloß, wo ist das Geld geblieben?

Als sie in der Schweiz lebte, verschwand der Anwalt, der ihren Antrag bearbeitet hatte. Als sie in Israel wohnte, erwies sich das zugesagte Geld als Fata Morgana; bei einem dritten Anwalt entschwand die Hoffnung in schwammigen Erklärungen.

Sie gab jahrzehntelang auf, zog in den USA die Familie groß und stellte ihre Fragen wegen einer Entschädigung erst wieder im hohen Alter, diesmal persönlich bei der Claims Conference in New York.

Dem deutschen Anwalt erklärt sie: Die CC verwalten russische Juden. Die mögen keine polnische Jüdin. Die geben ihr keinen Penny. Die hocken auf dem deutschen Geld und leben von seiner Verwaltung. Ich kann nur einem Deutschen trauen. Ihr Beweis ist die Zahl in ihrer Haut.

Der Anwalt zeigt ihr, wie sie als Holocaust-Härtefall eine Zuwendung erhalten kann, und hört sich öfters die Erlebnisse aus der schlimmen Zeit an.

Er erkundigt sich bei Juden unterschiedlicher Abstammung über die bös klingende Vermutung von der Verweigerung und Unterschlagung von Entschädigungsgeldern. Die CC-Leute sind respektiert, bei Veranstaltungen deutscher und amerikanischer Institutionen gut eingeführt und wirken nicht wie Straftäter.

Plötzlich erscheinen Berichte über den Missbrauch von Entschädigungsfonds in der CC-Verwaltung. Bisher hatte der Anwalt den Missbrauch nur bei Verwandten und Bekannten verstorbener Opfer erlebt und verfolgt. Die kassierten mit betrügerischen Lebensbescheinigungen und anderen Tricks Bezüge, die Opfern gehören. Das alte 14-jährige KZ-Mädchen wird auflachen. Es weiß jetzt, dass es nicht verrückt geworden ist.

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Published in: on November 12, 2010 at 1:09 am  Schreibe einen Kommentar  
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