Neu in Washington? Der Fashion Faux Pas

Washington kleidet sich konservativ. Darin ist man sich einig. Jede Minute könnte ein Botschafter, Senator, Minister oder CEO im Büro erscheinen. Deshalb bleibt man auch am Casual Friday vorsichtig.

Wer neu in Washington eintrifft, rechnet nicht damit – erst recht nicht ein Ausländer. Superkurze Mini-Jeans in einer Washingtoner Auslandsvertretung erinnern Amerikaner an straffreie Prostitution in Las Vegas, nicht an eine lockere Büroatmosphäre.

Wer ohne Jacket – als Mann oder Frau – zum Metro Club eingelassen und in einen Nebenraum geführt wird, kann die nächste Einladung vergessen, gleich wie herzlich das Luncheon verläuft.

Schon als Praktikantinnen zerbrechen sich Amerikanerinnen den Kopf, wie sie den Big Fashion Faux Pas vermeiden – und wie man andere diskret und unverletzend auf einen vermeidbaren Verstoß gegen die meist ungeschriebene Kleiderordnung hinweist.

Was Frauen bei Corporette als Problem erkennen und ausgiebig erörtern, trifft jedoch auch Männer. Ihre Uniform besteht aus dem fast immer dunklen, niemals karierten Anzug samt passender Krawatte, einfarbigem Hemd und festen Schuhen. Einstecktücher und Manschettenknöpfe passen nur, wenn sich jemand partout als schwul outen will. Das wirkt in Washington jedoch alt, weil seit Jahrzehnten ganze Stadtteile dazu Gelegenheit bieten.

Der schwülheiße Sommer stellt Männer wie Frauen vor besondere Herausforderungen. Bequem ist niemand den ganzen Tag – bei Hitze auf der Straße und bei eisiger Kälte in Büro oder Restaurant. Viele ziehen sich während des Tages um. Männer dürfen hellere Anzüge tragen. Früher waren es nur blau-weiß-gestreifte Seersucker, heute ist mehr erlaubt. Selbst eine Sakkokombination kann in manchen Firmen durchgehen.

Als Ausländer darf man auf Toleranz hoffen, doch nicht damit rechnen. Ein wenig schräge Vögel sind sie ja, vor allem die Europäer, signalisieren die Amerikaner. Solange sie es nicht übertreiben, nehmen sie auch an einer extravaganten Brille oder einer Männerhandtasche nicht allzu sehr Anstoß.

Nur werden ihre Träger nicht ganz ernst genommen.

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Published in: on Juli 14, 2010 at 1:05 pm  Schreibe einen Kommentar  

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