Heulen mit Wölfen

Das Wall Street Journal spricht heute die delikate Frage an, ob Unternehmen ihren wegen Unternehmensangelegenheiten angeklagten Mitarbeitern die Verteidigungskosten erstatten dürfen – oder umgekehrt, ob die Staatsanwalt den ebenfalls angeklagten Unternehmen die Erstattung durch Druckmittel verbieten darf.

Ziel der Strafverfolgung ist es oft, das Personal strafrechtlich weich zu klopfen, um Beweise gegen das Unternehmen zu erlangen.

Wenn diese Druckmittel zulässig werden, werden die Mitarbeiter effektiv den Wölfen zum Fraß vorgeworfen. $100.000 sind bei einer Strafverteidigung schnell ausgegeben, wenn der Vorwurf auf Wirtschaftskriminalität lautet. Wie soll sich ein kleiner Angestellter die Verteidigung leisten können?

Dabei kommt es nicht darauf an, ob die Anklage von einer Bundesstaatsanwaltschaft oder einer einzelstaatlichen stammt. Auch bei einer Untersuchung durch den Kongress oder eine der Obersten Bundesbehörden mit drei Buchstaben verursacht erheblichen Aufwand.

Aus Washingtoner Sicht gilt auch: Wenn wir Mitarbeiter der Drei-Buchstaben-Behörden vor Kongress und Gericht auf Kosten des Amtes verteidigen dürfen, sollte für den Privatsektor kein anderes Recht gelten.

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on März 28, 2006 at 1:08 pm  Comments (2)  
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2 KommentareHinterlasse einen Kommentar

  1. Ich nehme an, dass Instrumente wie PKH bzw. Stellung eines Pflichtverteidigers durch das Gericht in den USA unbekannt sind. Wie aber sieht es mit Strafrechtsschutzversicherungen aus, die in Deutschland momentan zunehmend von Firmen für ihre Mitarbeiter abgeschlossen werden?

  2. Da die Verfahrenskosten unkalkulierbar sind, kann ein Versicherer das Risiko nicht einschätzen. Versicherungsdeckungsschutz muss sich also auf bestimmte Verfahren oder Grenzbeträge beschränken. Die üblichste Versicherung für Vorstand und Aufsichtsrat ist immer noch die entsprechende Regelung einer Selbstversicherung in den By-Laws – Liquidität des Unternehmens vorausgesetzt. Diese müssen heute jedoch nach den neuesten, noch nicht gerichtlich abgesegneten Vorstößen der Staatsanwaltschaften angepasst werden. Für anderes Personal empfiehlt sich wohl eher eine Verpflichtung im Employment Manual, die für jedermann gilt, nicht nur für besonders „gefährdete“ Mitarbeiter.


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