Darf man das sagen?

Aus einem Manuskript:

„Die $20000 Anwaltsgebühr war mein Lehrgeld“, hört man häufig, wenn der deutsche Mandant zum Anwalt mit deutschem und amerikanischem Hintergrund kommt, nachdem diese Gebühr bei einem nur in einem Rechtsystem geschulten Rechtsanwalt verbraten wurde. Juristen mit Ausbildung und Erfahrung in beiden Rechtssystemen finden sich heute in vielen amerikanischen Regionen.

Eckt man damit an? Auch im folgenden Zusammenhang?

Diese Mandanten haben beim rein amerikanisch-geschulten Anwalt die Erfahrung gemacht, dass man sich zwar gut vertreten fühlt, aber aneinander vorbei geredet hat: Derselbe Begriff kann im deutschen Recht für ein ganz anderes Konzept in den USA stehen, selbst der Begriff Law. Die Rechtsfolgen sind unterschiedlich, aber dessen war man sich nicht bewusst. Dieser Anwalt weiss nicht, dass der deutsche Mandant keine Vorstellung davon besitzt, dass die USA über 50 Rechtssysteme beherbergen: die des Bundes und der 50 Staaten, den Bezirk der Hauptstadt Washington als District of Columbia, Puerto Rico, Guam und der Virgin Islands. Er weiss nicht, dass der auf das amerikanische Recht etwas vorbereitete deutsche Anwalt des Mandanten glaubt, das Bundesrecht regele Vertragsverhältnisse und der Uniform Commercial Code gelte einheitlich.

Der sich auf das Ortsrecht konzentrierende Rechtsanwalt soll nicht miesgemacht werden, doch könnte der erste Absatz diesen Eindruck vermitteln. Der deutsch-griechische Anwalt kann wahrscheinlich nachvollziehen, was gemeint ist, der deutsch-spanische auch. Der rein deutsche, amerikanische, griechische oder spanische darf in den Kommentaren seinen Gefühlen freien Lauf lassen. Die anderen können sagen, was sie hiervon halten:

Oder der deutsche Anwalt des Mandanten hat mit Mustern amerikanischer Verträge gearbeitet, die im Internet leicht zu finden sind, ohne die Auswirkungen des deliktischen Rechts, die im Vertragsrecht zu berücksichtigen sind, zu kennen. Er kann auch nicht beurteilen, wie sich bestimmte Erklärungen in der Korrespondenz, selbst in der EMail, auf die fremdenfeindlichen Geschworenen im amerikanischen Zivilprozess auswirken. Und vielleicht weiss er auch nicht, dass von Anfang an das Beweisrecht zu berücksichtigen ist, das ein paar Zeilen im deutschen Recht, hingegen ein Sechstel der amerikanischen bundesweiten Anwaltsprüfung ausmacht.

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Published in:
on Dezember 27, 2005 at 9:20 pm  Comments (2)  

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2 KommentareHinterlasse einen Kommentar

  1. Wird das Manuskript ein Buch? Würde ich gern lesen!

  2. Hm, muss mal in den Verlagsvertrag schauen, ob ich das bestaetigen darf. Vielleicht sind auch Beta-Tester erlaubt.


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