Lustig in Amerika

Wer wegen Lustreisen den Finger auf VW zeigen zu müssen meint, macht es sich zu einfach.

Den Missbrauch gibt es hier gleichermaßen. Das beweist die Anklage gegen Conrad Black.

Während andere für die Geburtstagsfeier ihrer Frau in die eigene Tasche greifen, nahm sich Black laut der Anklage die 42.000 Dollar aus der Unternehmenskasse.

Die vorgeworfenen Taten erfassen den Missbrauch des Telefon- und Postwesens. Damit kann der Bund eingreifen und muss nicht den Einzelstaaten die Strafverfolgung überlassen, die sich auf herkömmliche Straftatbestände wie Unterschlagung und Untreue beschränken könnten.

Immerhin hat Black Martha Stewart und I. Lewis Libby voraus, dass er nicht wegen Lügen angeklagt ist, nachdem sich ihnen keine andere Straftat hinreichend nachweisen ließ.

Advertisements
Published in:
on November 18, 2005 at 8:01 pm  Comments (3)  

The URI to TrackBack this entry is: https://usanwalt.wordpress.com/2005/11/18/lustig-in-amerika/trackback/

RSS feed for comments on this post.

3 KommentareHinterlasse einen Kommentar

  1. Wirklich lustig. Die „Lustreisen“ bei VW für ein paar tausend Euro sind doch harmlos im Gegensatz zu Fällen wie Tyco wo riesige Millionensummen vom CEO und dem CFO persönlich geklaut wurden.
    Auch einen Fall Enron gabs hier noch nicht. Und mir fallen noch einige weitere Fälle ein.

    P.S. Ist Missbrauch des Telefon – und Postwesens nicht nur ein Ausweichtatbestand, der gerne benutzt wird, wenn man nichts „härteres“ in der Hand hat? So ähnlich wie die Steuerhinterziehung bei Al Capone?

  2. Selbst Black ist doch harmlos in Fällen wie Tyco, wo der CEO und der CFO dem Unternehmen um die 40 Millionen Dollar klauten. Und mir fallen noch mehrere weitere ein…

    P.S. Ist „Missbrauch des Telefon – und Postwesens“ in der Praxis nicht nur ein Ausweichtatbestand, wenn man „härtere“ nicht anklagen kann? So wie die Steuerhinterziehung bei Al Capone?

  3. Im Fall Black geht es um Zigmillionen, aber es ist nicht besonders schaendlich, dass er nicht mal seiner Frau ein Geburtstagsgeschenk aus der eigenen Tasche kauft?

    Bund und Einzelstaaten duerfen sich nicht gegenseitig auf die Fuesse treten. Damit der Bund strafrechtlich eingreifen kann, muss er sich besondere Straftatbestaende einfallen lassen. Einen Mordtatbestand wie im Common law, einen Unterschlagungstatbestand wie im Common Law darf er nicht verfolgen. Aber das Telefon, die Post, seine Steuern kontrolliert er. Daher darf auf ihrer Grundlage klagen. Mord per Telefon verabredet faellt in seine Zustaendigkeit; den einfachen Mord, selbst wenn ueber das Telefon verabredet, darf der Einzelstaat verfolgen. Mord ueber die Staatsgrenzen hinweg gehoeren dem Bund; Mord im Staat dem Staat. Manche Sachverhalte ermoeglichen es den Staaten und dem Bund, sich zu streiten, so im Fall der Washington Sniper, weil beide zustaendig sein koennen.

    Soviel, oder sowenig, aus der Sicht des Nichtstrafrechtlers.


Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: